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Monats-Archive: Januar 2012

Liebe den Klang der Einfachheit und die Melodie der wachsenden Ringe

Je näher ich zu mir finde, umso mehr freue ich mich ein Vintschger zu sein

Alles beginnt mit der Erkenntnis, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. Irgendwann habe ich feststellen müssen, dass ich nicht mehr bin. Dass ich mich meilenweit von meinem eigenen Sein, von meinem Ich entfernt habe. Und natürlich kommt dann die Frage: wie konnte dies geschehen oder was ist geschehen? Denke nach und sitze still und sehe Bilder und sehe die Schulterklopfer, die mich auf meinem Irrweg bestärken, höre den Lärm der tendenziösen Schreie und bin unterwegs in ein Niemandsland, in das Land der erstickenden Sackgassen. Und plötzlich nach vielen Tagen gefüllt mit verzweifelten Fragen und leeren Augenblicken und tausend Gängen immer an diesselben Orte, ist es die Stille, die den Lärm in meinem Sein besiegt. Die Stille wird stärker und stärker und laut und der Lärm muss sich verabschieden und der Weg zu meinem Ich wird frei. Tausend Tränen und Reue und Hilfeschreie, die nicht gehört werden können und ganz hinten und drinnen dieses starke Licht des Eigenen, des Einzigartigen, das wir Menschen, wir alle in uns tragen und das sich dann zeigt wenn wir mit uns selbst Zwiesprache halten, uns auf den Weg zu uns, zu unserem Selbstbild machen und die Entrümpelung von allem Aufgezwungenen, oberflächlich Angelebten tut gut und befreit und plötzlich ist da so etwas wie eine Leere, die zur Geliebten wird. Diese Leere ist das Fundament das wir in uns tragen und sie ist das Fundament, ist der große Spielraum den es zu bespielen gilt. Und es ist unser Besitz, unsere eigene Kernkraft die da ist und immer da sein wird egal was geschieht. Und diese Leere ist Einfachheit, Klarheit und gehört uns ganz allein. Jeder von uns besitzt diesen Kern, diesen Kernort und plötzlich wissen wir, dass es gilt diesen Ort, diese Struktur in uns zu festigen, damit sie den Stürmen der Lärmenden, der unbarmherzigen Bewerbungen und Entfremdungen standhalten kann. Jetzt beginnt das Leben, das wachsen kann, denn es steht auf einem Fundament, das aufrichtig und echt und unser ist. Im Kopieren und Nachahmen werden wir immer weiter von unserem Sein und Ich entfernt bis nichts mehr bleibt als Ratlosigkeit, das Gefühl nicht verstanden zu sein und das ungute Empfinden in der Luft zu hängen und den Boden unter unseren Füßen zu verlieren. Und nur dann wenn wir unseren eigenen Weg aus dieser Kraft von Innen gehen, werden wir unsere eigenen Spuren setzen dürfen und was gibt es Schöneres als zu sein, sich selbst zu spüren, Mensch zu sein, ganz bewusst únd mit Freude und fähig werden,  sein Potential in die Menschenlandschaften tragen zu dürfen. Und jetzt fällt alles leichter. Es gibt kein Hin und Her mehr, es gibt einen Gedanken, der wächst und zu einem Weg wird. Das Basisilager ist abgesichert und wird mit jedem Augenblick der aufrichtigen Begegnungen mit unseren Mitmenschen, mit der Schöpfung neu gestärkt und so stark, dass uns die Stürme der Besserwisser und globalisierten Mächte und Diktaturen nichts mehr anhaben können. Und mir wird klar, dass das eben Gesagte sowohl für uns Menschen als auch für die Regionen gilt. Für uns und für unsere Heimat.

Ein gangbarer Weg

1. Schritt: Erkenntnis, dass wir gelebt werden und uns von uns selbst entfernen

2. Schritt: was muss ich in meinem Tun ändern, dass ich mich vom Weg der Gleichschaltung, der gewollten Abhängigkeit befreien kann. (von allen entrümpeln was nicht mit mir und meiner Heimat in Harmonie ist)

3. Schritt: jetzt bin ich bei mir. Habe mich gefunden und lerne mein eigenes Potential  und das meiner Heimat kennen, schätzen und lieben. Habe ein Fundament auf dem ich aufbauen, auf dem ich eigenständig wachsen kann.

4. Schritt: bin fähig und bereit aus dem Supermarkt der Angebote auszuwählen. Meine eigene Kernkraft zeigt mir einen stimmigen, erfüllenden Weg.

5. Schritt: da ich mich jetzt besser kenne und um mein Potential und das meiner Heimat weiß, kann ich jetzt frei und eigenständig agieren und muss nicht mehr reagieren. Ich lebe und werde nicht mehr gelebt. Gelebt werden bedeutet tot leben.

6. Schritt und Ergebnis: mein Leben wird zu einer Erzählung. Ich habe etwas Eigenes, von dem ich erzählen kann. Mit meinen Erzählungen, die spannend sind, da sie aus dem Innersten geboren werden finde ich Menschen die ebenfalls eigene Erzählungen haben, die zuhören können und erzählen und bald bildet sich ein großes Netzwerk von selbstbewussten Menschen und die Lärmlieder werden verstummen und tausend Wege führen in einen Kreis und werden zum Kreis. Zum Kreis einer gelebten Liebe. Liebe zu sich und zur Heimat. Diese Liebe zu sich befähigt zur aufrichtigen Liebe für den Nächsten und zu einer innigen aufrichtigen Liebe für den Partner und diese Liebe zur Heimat befähigt zu einem Wirken an unserer Heimat. Und sie werden kommen die Menschen, die teilhaben wollen an diesem aufrichtigen und einfachen Weg und es werden die Marillenbäume blühn und die Herbstbilder werden sein und die Winterrast und die großen langen Sommertage und alle Sternenhimmel werden nicht mehr von den Kunstlichtern erstickt und irgendwo wird der schon fast gefrorene Bach mit der Stille Hochzeit feiern. Und die Schellenkinder und die Kornkinder werden mit ihrer Einfachheit und Offenheit Botschafter werden für ein neues Land, ein Land das seinen Weg gefunden. Ein Land das Heimat ist und ein Land das Gastgeber sein kann, da es wirklich ist.

Gemeinsam werden wir in der Tschenglsburg und in unserem Tal der jungen Etsch Schritt für Schritt gehen und der NEUE VINTSCHGER  WEG  sollte ein gemeinsamer Weg sein. Die Touristiker sollten ihren Weg nicht allein gehen. Sie müssen und werden einsehen, dass auch alle anderen Wirtschaftszweige und ganz besonders die Landwirtschaft mit eingebunden werden muss. Die Bilder in den Prospekten sind zu wenig. Ein Netzwerk zwischen jenen, die durch ihre tägliche Arbeit diese Bilder ermöglichen und denen, die diese Bilder für Bewerbungen nützen, ist zielführend und bringt gemeinsame Begeisterung und Freude an der Arbeit, an der Aufgabe. Wir müssen uns zusammen setzen und über einen gemeinsamen Weg reden. Der Vintschgau wartet, die Vintschger hoffen und die Gäste freuen sich auf unseren aufrichtigen und einzigartigen Weg. Vorerst aber müssen die ersten  Schritte gesetzt werden: die Erkenntnis und in der Folge die Befreiung, die Entrümpelung. Dann kann ein Weg, ein einzigartiger Vintschger Weg beginnen, der auf seinem eigenen Fundament immer stärker wird und wachsen kann. Lebensqualität und Vintschger Potential.

In der Stille - die Kraft der Frau

Mutter Erde und unser täglich Brot

Fremde Sprache im eigenen Dorf

Alte Felder Tschengls - Harmonie der Schöpfung

Heimattisch

 

 

Silvester – ein unvergesslicher Festtag in Tschengls

Schellenrennen und das aufrichtige Feingefühl der Kinder

Der Vinschgau hatte sich ein weißes Festtagsgewand angezogen und in Tschengls gehen Kinder und Erwachsene zur Tschenglsburg. Schellenrennen ist heute und noch sind die Schellen stumm gestopft. Pünktlich um zwölf Uhr beginnen die Kirchturmglocken der Pfarrkirche zu läuten und die mehr als 20 Schellenkinder werden still und lauschen andächtig dem bedeutungsvollen Geläut. Die anwesenden Fernsehjournalisten haben jetzt alle Hände voll zu tun, wollen sie doch diesen ganz besonderen Moment für einen Dokumentarfilm erfassen. Die Glocken verstummen und nun ist für einen Moment alles still. Die Stille ist nicht bedrückend, sondern öffnet mit ihrer Kraft die Fähigkeit zum Gebet. Johann gibt kurze Anweisungen und nun zeichnen alle das Kreuzzeichen auf ihre Stirn und beginnen zu beten. Und das Gebet der Kinder legt sich als Dank an das vergangene Jahr in die Mittagszeit und ein spürbarer Friede legt sich auf das weißgekleidete Dorf. Alles hat seine Ordnung und so beginnt die drittgrößte Glocke ihren Ruf und das betreffende Kind bewegt im Rhythmus seinen Körper und das Schellen wird stärker und wird nun von einer größeren – der zweitgrößten Glocke – abgelöst und schließlich ertönt die größte Schelle. Johann hilft dem Schellenkind beim Schellen und plötzlich schellen alle drei gemeinsam und schon stimmen auch die anderen Schellenkinder mit ein und sie springen und hüpfen und schellen begeistert in den Wintertag, den letzten in diesem Jahr 2011. Neben den Schellen haben die Kinder Stofftaschen mitgebracht und im Innenhof der Burg verteilt der Schlosswirt allerlei Süßigkeiten. Gerne halten die Schellenkinder ihre Taschen dem Wirt entgegen und dankbar nehmen sie die kleinen Gaben an. So werden sie jetzt durch das Dorf ziehen und bei den Familien schellen und das Jahr verabschieden und das Neue Jahr begrüßen. Schellenkinder, das habt ihr großartig gemacht. Danke. Und auch Dir, lieber Johann, herzlichen Dank für Deine wertvollen Anweisungen.

die Schellenkinder von Tschengls

Interessierte Zaungäste

eine Schelle

die größte Schelle

der Schlosswirt Karl Perfler beim Verteilen der kleinen Gaben

und jetzt ziehen sie los durch das Dorf

 

 

Silvester Betgang zur Ottilia Kirche

Die Schellenkinder sind in ihre Heimathäuser zurückgekehrt und pünktlich um 23.00 Uhr macht sich eine Gruppe von Silvesterpilgern auf den Weg zur Ottilia Kirche. Gestartet wird in der Tschenglsburg und unterwegs kommen weitere Silvesterpilger zur Gruppe dazu. Hans Raffeiner betet vor und das Gebet klingt durch die Nacht. Die Bittgänger haben Laternen mitgebracht und die vielen Kerzenlichter geben der Dunkelheit Bewegung und Wärme. Der Boden unter den Füßen fühlt sich sicher und weich und weiß  an und alle gehen sie betend und in Gedanken durch die Nacht und eine große unendliche Stille liegt in den weißen Feldern und Wiesen und ganz vorne das schwache Licht der Ottilia Kirche. Die Glocken der Ottilia Kirche beginnen zu läuten und laden ein. Wärmendes Kerzenlicht empfängt die Pilger in der kleinen Kirche und Heidi Pixner ist mit ihrer Harfe da. Zuerst aber wird das Lied “Stille Nacht” gemeinsam gesungen und eine große Harmonie legt sich in den Kirchenraum. Heidi Pixner beginnt sanft und voller Zartheit, zupft und streichelt die Saiten der Harfe und Musik aus dem Innersten heraus wird geboren und erreicht die sehnsuchtsvollen Menschen. Musik als höhere Sprache, als Ausdruck einer großen unmessbaren Dimension. Inzwischen hört man draußen in den Dörfern die ersten Böllerschüsse und niemand will so richtig aufstehen und die Kirche verlassen. Wie schön es jetzt in der Stille ist nach dieser wunderbaren Musik von Heidi Pixner und in dieser freundlichen und wohltuenden Gemeinschaft. Alles Gute, hört man überall und die Leute die heute zur Ottilia Kirche gekommen sind, meinen es ehrlich und wünschen sich und den Anderen, dass neben dem Lärm der Zeit endlich auch die Stille, die Kostbarkeit der Stille ihren Platz finden sollte, damit die Menschen die Möglichkeit und Fähigkeit finden mit sich selbst in Dialog zu treten und damit bewusster, selbstbewusster und freier zu werden. Ein unvergesslicher Festtag in Tschengls – die Schellenkinder und die Bittgänger haben es erleben dürfen.

Auf dem Werg zur Ottilia Kirche

Sepp und Luis beim Läuten der Glocken

Heidi Pixner an der Harfe

die alten Felder und die Ottilia Kirche im weißen Festtagskleid

Slideshow

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