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Silvester – ein unvergesslicher Festtag in Tschengls

Schellenrennen und das aufrichtige Feingefühl der Kinder

Der Vinschgau hatte sich ein weißes Festtagsgewand angezogen und in Tschengls gehen Kinder und Erwachsene zur Tschenglsburg. Schellenrennen ist heute und noch sind die Schellen stumm gestopft. Pünktlich um zwölf Uhr beginnen die Kirchturmglocken der Pfarrkirche zu läuten und die mehr als 20 Schellenkinder werden still und lauschen andächtig dem bedeutungsvollen Geläut. Die anwesenden Fernsehjournalisten haben jetzt alle Hände voll zu tun, wollen sie doch diesen ganz besonderen Moment für einen Dokumentarfilm erfassen. Die Glocken verstummen und nun ist für einen Moment alles still. Die Stille ist nicht bedrückend, sondern öffnet mit ihrer Kraft die Fähigkeit zum Gebet. Johann gibt kurze Anweisungen und nun zeichnen alle das Kreuzzeichen auf ihre Stirn und beginnen zu beten. Und das Gebet der Kinder legt sich als Dank an das vergangene Jahr in die Mittagszeit und ein spürbarer Friede legt sich auf das weißgekleidete Dorf. Alles hat seine Ordnung und so beginnt die drittgrößte Glocke ihren Ruf und das betreffende Kind bewegt im Rhythmus seinen Körper und das Schellen wird stärker und wird nun von einer größeren – der zweitgrößten Glocke – abgelöst und schließlich ertönt die größte Schelle. Johann hilft dem Schellenkind beim Schellen und plötzlich schellen alle drei gemeinsam und schon stimmen auch die anderen Schellenkinder mit ein und sie springen und hüpfen und schellen begeistert in den Wintertag, den letzten in diesem Jahr 2011. Neben den Schellen haben die Kinder Stofftaschen mitgebracht und im Innenhof der Burg verteilt der Schlosswirt allerlei Süßigkeiten. Gerne halten die Schellenkinder ihre Taschen dem Wirt entgegen und dankbar nehmen sie die kleinen Gaben an. So werden sie jetzt durch das Dorf ziehen und bei den Familien schellen und das Jahr verabschieden und das Neue Jahr begrüßen. Schellenkinder, das habt ihr großartig gemacht. Danke. Und auch Dir, lieber Johann, herzlichen Dank für Deine wertvollen Anweisungen.

die Schellenkinder von Tschengls

Interessierte Zaungäste

eine Schelle

die größte Schelle

der Schlosswirt Karl Perfler beim Verteilen der kleinen Gaben

und jetzt ziehen sie los durch das Dorf

 

 

Silvester Betgang zur Ottilia Kirche

Die Schellenkinder sind in ihre Heimathäuser zurückgekehrt und pünktlich um 23.00 Uhr macht sich eine Gruppe von Silvesterpilgern auf den Weg zur Ottilia Kirche. Gestartet wird in der Tschenglsburg und unterwegs kommen weitere Silvesterpilger zur Gruppe dazu. Hans Raffeiner betet vor und das Gebet klingt durch die Nacht. Die Bittgänger haben Laternen mitgebracht und die vielen Kerzenlichter geben der Dunkelheit Bewegung und Wärme. Der Boden unter den Füßen fühlt sich sicher und weich und weiß  an und alle gehen sie betend und in Gedanken durch die Nacht und eine große unendliche Stille liegt in den weißen Feldern und Wiesen und ganz vorne das schwache Licht der Ottilia Kirche. Die Glocken der Ottilia Kirche beginnen zu läuten und laden ein. Wärmendes Kerzenlicht empfängt die Pilger in der kleinen Kirche und Heidi Pixner ist mit ihrer Harfe da. Zuerst aber wird das Lied „Stille Nacht“ gemeinsam gesungen und eine große Harmonie legt sich in den Kirchenraum. Heidi Pixner beginnt sanft und voller Zartheit, zupft und streichelt die Saiten der Harfe und Musik aus dem Innersten heraus wird geboren und erreicht die sehnsuchtsvollen Menschen. Musik als höhere Sprache, als Ausdruck einer großen unmessbaren Dimension. Inzwischen hört man draußen in den Dörfern die ersten Böllerschüsse und niemand will so richtig aufstehen und die Kirche verlassen. Wie schön es jetzt in der Stille ist nach dieser wunderbaren Musik von Heidi Pixner und in dieser freundlichen und wohltuenden Gemeinschaft. Alles Gute, hört man überall und die Leute die heute zur Ottilia Kirche gekommen sind, meinen es ehrlich und wünschen sich und den Anderen, dass neben dem Lärm der Zeit endlich auch die Stille, die Kostbarkeit der Stille ihren Platz finden sollte, damit die Menschen die Möglichkeit und Fähigkeit finden mit sich selbst in Dialog zu treten und damit bewusster, selbstbewusster und freier zu werden. Ein unvergesslicher Festtag in Tschengls – die Schellenkinder und die Bittgänger haben es erleben dürfen.

Auf dem Werg zur Ottilia Kirche

Sepp und Luis beim Läuten der Glocken

Heidi Pixner an der Harfe

die alten Felder und die Ottilia Kirche im weißen Festtagskleid

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